Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Landkreis Neunkirchen mbH

 

Ein ganzes Jahrhundert lang „alles erste Sahne“

Geburtstagsbesuch bei der Heinrich Daum Nachfolger OHG im Gewerbegebiet Klinkenthal

Es ist keine Kleinigkeit, einen Betrieb 100 Jahre lang erfolgreich am Markt zu halten. Gerade im Handel, wo die Luft immer dünner wird. Krisen geben sich die Türe in die Hand, dazu hat man als Mittelständler stets die konkurrierenden Groß-Player im Nacken. Diesem Druck zum Trotz ist der Frischedienst Daum richtig gut aufgestellt. Zufrieden bis optimistisch schauen Geschäftsführer Jörg Poeschel, Verkaufsleiter Thorsten Strauß und Prokuristen Frederik Germann-Schichtel in die Zukunft, wie sich beim Besuch der WFG anlässlich des großen Jubiläums zeigte.

Das kann einen staunen machen. Aber ein Wunder ist es nicht – sondern das Ergebnis großen Engagements und Leidenschaft. „Wir sind familiär, reagieren schnell, beraten lieber einmal zu viel als zu wenig und sind praktisch immer erreichbar“, zählte Poeschel Faktoren auf, die sie von Mitbewerbern unterscheiden. Wenn es mal brennt, setzt sich der Firmenchef am Wochenende schon mal selbst ans Steuer und fährt zum Kunden raus. „Beim konzerngebundenen Mitbewerber gibt es das nicht.“ Kunden wissen die Flexibilität bei Daum zu schätzen, genau wie die Freundlichkeit der Mitarbeiter und die Gewissheit, dass korrekt und zuverlässig geliefert wird.

Die Daumsche Firmenphilosophie hat den Betrieb stets auch durch schwere Fahrwasser getragen: einerseits mit der Zeit zu gehen und zur rechten Zeit zu investieren, anderseits die eigenen Traditionen und Werte stetig hoch zu halten. Begonnen hat die Erfolgsgeschichte der Firma, die heute etwas sperrig, aber korrekt, Heinrich Daum Nachfolger OHG heißt, im Jahre 1926. Damals verschlug es den späteren Firmengründer Heinrich Daum von seinem Geburtsort Merzig nach Landsweiler-Reden. Zunächst fuhr er für einen Lebensmittel-Laden Waren aus, übernahm den Betrieb aber schon kurze Zeit später. Zusätzlich gründete Heinrich Daum eine Großhandelsfirma. Sepia-Fotos im Flur des heutigen Verwaltungstraktes erinnern an den alten Firmensitz, der sich nahe des inzwischen geschlossenen Freibads Landsweiler-Reden befand.

Firmengründer Heinrich führte das Unternehmen bis zu seinem Tode 1980, danach übernahmen seiner Frau Emilie und die beiden Söhne Horst und Manfred das Ruder. 1998 wurde die Firma in der 3. Generation an Jörg Poeschel, Stiefsohn von Horst Daum, übergeben. Seit 2013 agiert sie am heutigen Standort im Schiffweiler Gewerbepark Klinkenthal auf einem großen Gelände mit einer überdachten Betriebsfläche von 1500 Quadratmetern. 34 Mitarbeiter erwirtschaften hier einen Jahresumsatz von rund 15 Millionen Euro.

Bevor es Discounter und Selbstbedienungsgroßhandel (Cash-&-Carry) gab, belieferte Daum schwerpunktmäßig kleine Tante-Emma-Läden mit „Butter, Eier, Käse“. Das ist Geschichte. Heute umfasst das Sortiment Molkereiprodukte, Eier und Eiprodukte, Tiefkühlost, Wurstwaren, Obst und Salate, ein Trockensortiment sowie Getränke, Fette und Öle. Zwischen 900 bis 1000 Einzelprodukte sind ständig vorrätig: von Frischmilch und Soja-Drinks über große Speisequark-Eimer und 15-Kilogramm Blöcken Käse bis zum gefärbten Ei oder Tiefkühl-Zupfkuchen. Rund 30 Prozent des Sortiments entfallen auf tiefgekühlte Produkte. Die rund 700 Kunden – darunter neben Bäckereien/Metzgereien, Tankstellen und mehr als 60 Eiscafes auch Großküchen und Sternerestaurants – sitzen nicht mehr nur im Saarland. Vielmehr reicht der Einzugsbereich von der Eifel und bis in die Pfalz nach Pirmasens und Kaiserslautern.

Man muss sich strecken, um am Ball zu bleiben. Das ist bei Daum nicht anders als bei anderen. „Corona mit ihren Einschränkungen besonders in der Gastronomie war ein ziemlicher Einschnitt.“ Heute reduzieren viele Restaurants ihre Öffnungszeiten aufgrund von Personalmangel oder schließen wegen Nachfolgeproblemen ganz. Hinzu kommt der tägliche Kostendruck, weil viele Produkte im Einkauf teurer wurden. Die meisten Sorgen bereiten Poeschel und seinem Team aber die anhaltend hohen Energiepreise. Wer im großen Stil kühlen muss – „bei uns herrschen im Tiefkühllager -24°C bis -20°C, im Trockenlager und den anderen Kühlhäusern zwischen 3°C und 7°C“ – und acht hochmoderne Kühltransporter täglich auf Tour schickt, ist doppelt abhängig von der Preisentwicklung bei Strom und Sprit. Zu den Hebeln, die der Betrieb selbst ansetzen kann, gehört minutiös geplante Logistik genau wie eigene Energiegewinnung per Photovoltaikanlage mit einer Spitzenlast von 76 kW oder die Nutzung der Abwärme zum Heizen der Büroräume.

Überhaupt: Nachhaltigkeit! „Seit 2023 sind wir Bio-zertifiziert und bietet neben Bio-Produkten auch vegane und vegetarische Alternativen an.“ Gleichzeitig steht Ressourcenschonung auf der Agenda. So wird beispielsweise der Großteil aller Rechnungen per E-Mail verschickt. Bei den Rollis, die klassisch mit Plastikfolie ummantelt werden, setzt der Frischedienst Daum auf wiederverwertbare Ummantelungen. Für die kommenden Jahre sind weitere bauliche und energetische Investitionen am Standort geplant, nicht zuletzt liebäugelt Poeschel mit einem Elektro-Transporter. Was bleibt, ist der hohe Anspruch an Dienstleitung und Beratung. Dazu passt, dass Thorsten Strauß seit neuestem als geprüfter Wassersommelier zur Verfügung steht.

Letztlich sind es viele Mosaiksteine, die Daum zu einem innovativen und zukunftsfähigen mittelständigen Unternehmen machten – eines, das Landrat Sören Meng, Bürgermeister Cedric Jochum und Wirtschaftsförderer Patrick Clos bei ihrer Stippvisite als ein Aushängeschild für den Standort Schiffweiler und die ganze Region würdigten.

 

Text- und Bildquelle: Anja Kernig / WFG