Der Prophet im eigenen Land … Werner Zimmer und seine in diesem Jahr 20 Jahre bestehende Firma karo-san ist ein Paradebeispiel dafür. Wann immer im Saarland eine Straße mit großem Aufwand aufgerissen wird, um die maroden Versorgungsleitungen im Erdreich zu erneuern, hätte er allen Grund, sich die Haare zu raufen. Ließen sich doch in den meisten Fällen Kosten für Kanal- und Rohrsanierung deutlich reduzieren und bestehende Bäume und Pflasterungen schonen. Vom Ärger für Anwohner und umgeleitete Autofahrer ganz zu schweigen.
Das Zauberwort heißt „grabenlos“ und lässt sich am ehesten mit einer minimal-invasiven OP vergleichen. Karo-san erneuert unterirdisch und damit schneller, sauberer und effizienter: Zimmers Lebenswerk! „Ich beschäftige mich seit über 40 Jahren damit“, erzählt der Ingenieur beim Besuch im Firmensitz im Illinger Ortsteil Welschbach, wo man kaum einen solchen Innovationsträger erwarten würde.13 Erfindungen hat sich der gelernte Maschinenbauer schon patentieren lassen. Zur Anwendung kommen sie europaweit bis runter nach Italien und verstärkt in der Schweiz, weshalb man bereits 2006 eine Niederlassung im Kanton Aargau gründete. Die weiteste Baustellen-Anreise war die im Jahr 2012 nach São Paulo/Brasilien. „Dort haben wir eine Studie über die Erneuerung der Feuerlöschleitung im Farbenwerk der BASF ausgearbeitet.“
Werner Zimmer setzt Maßstäbe, auch mit seiner vergleichsweise späten Selbständigkeit. In einem Alter, in dem andere schon in Richtung Ruhestand denken, gründete der damals 51-Jährige seine Firma. Davor hatte er viele Jahre für einen großen Konzern im Rohrleitungsbau gearbeitet. Aber erst durch die Existenzgründung im Februar 2005 konnte sich Zimmer umfänglich seinem Spezialgebiet „Grabenlose Erneuerung“ widmen.
Über intensive, selbst finanzierte Forschung entwickelte er Systeme zur Erneuerung von Kanälen und Trinkwasserleitungen. Mit einer Kraft von maximal 125 Tonnen wird dabei ein speziell geformter Berst-/Bohrkopf durch den Kanal/die Wasserleitung gezogen. Derart aufgeweitet, können in das Rohr von der anderen Seite die neuen Module - ebenfalls mit hohem Druck – gezogen bzw. auch gepresst eingebaut werden. Was relativ simpel klingt, hat es in der technischen Umsetzung gehörig in sich. So müssen beispielsweise die Übergänge der Rohrmodule so gefräst sein, dass sie fast hermetisch dicht ineinander greifen. Seine Forschungsergebnisse stellt Zimmer regelmäßig in Vorträgen vor, etwa an Technischen Universitäten in Deutschland und der Schweiz.
Dank der Vermittlung durch Wirtschaftsförderer Klaus Häusler, der die Firma seit der Gründung professionell begleitet, erwarb karo-san in Schiffweiler ein 6000 Quadratmeter großes Grundstück und errichtete 2016 darauf eine Lager- und Produktionshalle. Per programmierbarem Industrieroboter entstehen dort sowohl maßgeschneiderte Rund- als auch Eiprofil-Rohre. „Pro Jahr bauen wir beim Kunden 4000 dieser Module ein“, was sich mit mehr Personal noch deutlich steigern ließe. „Aus Kapazitätsgründen müssen wir immer wieder Anfragen ablehnen.“ Karo-san beschäftigt aktuell 22 Mitarbeiter, darunter seit kurzem zwei engagierte iranische Ingenieure. „Wir sind immer auf der Suche nach Mitarbeitern“, betont Ehefrau und Prokuristin Rita Guthörl.
Neben Rohrsanierung vom Haus bis zur Kläranlage bietet Zimmer weitere Speziallösungen beispielsweise zur Entwässerung von Mülldeponien oder zum Grundwasser-Management an. Damit nicht genug, erfand Zimmer das Ground-water-Drilling-System. „Dabei handelt es sich um Sacklochbohrungen, die unter hohem Grundwasser ausgeführt werden können.“ Ein Verkaufsschlager! Von der großen Nachfrage förmlich überrannt, übergab Werner Zimmer das Know How inklusive aller diesbezüglichen Patente und Gerätschaften an die neu gegründete gwd System GmbH im Eigentum der Strabag Umwelttechnik GmbH, bleibt aber als technischer Leiter involviert. Unter einem Dach mit der karo-san GmbH, deckt die gwd System den Bereich der Spezialbohrungen und der Schadensanalyse durch TV-Untersuchungen auf Deponien ab.Damit kann das ländliche Welschbach nun zwei Global Player vorweisen.
Parallel läutete die karo-san einen Generationswechsel in der Unternehmensführung ein: „Im Februar konnten wir einen jungen, hoch motivierten Betriebsleiter gewinnen.“ Somit könnte die karo-san im Jubiläumsjahr kaum besser dastehen. Im Jahr erzielt das Familienunternehmen vier Millionen Euro Umsatz. „Mit unserem wirtschaftlich und ökologisch optimierten Komplettpaket von der Planung bis zur Ausführung gelten wir in der Branche als Problemlöser“, freut sich Zimmer, für den 60 Stundenwochen immer noch die Regel sind. Nicht ohne Grund wurde er gebeten, am DWA-Regelwerk Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall mitzuwirken. DWA-Arbeitsblätter finden als allgemein anerkannte Regeln der Technik bundesweit Anwendung. Natürlich auch im Saarland – für Werner Zimmer eine kleine Genugtuung.
Quelle Text und Bild: WFG Neunkirchen / Anja Kernig + karo san


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